Für den Triumph des Bösen reicht es,
wenn die Guten nichts tun.
Edmund Burke
Machtdebatte für Eilige |
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[11Z] Gelegentlich wird der Wunsch geäußert, die Themen dieser vielen Seiten mögen einmal in einem Fünf-Minuten-Vortrag sozusagen eingedampft werden. Das erfolgreich zu tun würde bedeuten, dass alle übrigen Texte Ergebnis unüberlegten Drauflosschreibens seien und der Lektüre nicht wert. Dennoch soll der Versuch unternommen werden, die Essenz herauszuarbeiten. |
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[120] Es geht auf diesen Seiten darum herauszufinden, auf welche Weise im marktorientierten wirtschaftlichen Geschehen Macht ausgeübt wird. Man kann auch ehrenamtlich tätig sein oder jemandem etwas schenken und dennoch bzw. gerade dadurch einen wirtschaftlichen Nutzen für jemanden erbringen. Das ist jedoch nicht Gegenstand dieser Erörterung. Ihr Gegenstand soll vielmehr der Versuch einer Antwort auf die Frage sein, was geschieht, wenn ein Anbieter am Markt unbefriedigte oder wenigstens noch nicht restlos befriedigte Bedürfnisse von Menschen identifiziert, aus denen er einen wirtschaftlichen Vorteil ziehen kann. Diese bedürftigen Menschen wollen wir hier Nachfrager nennen. So lange Nachfrager Bedürfnisse nach Sachen oder Tätigkeiten – volkswirtschaftlich formuliert: nach Produkten oder Dienstleistungen – erkennen lassen, herrscht am Markt ein Mangel an dieser Sache. (Wie groß die Menge dieser Sachen außerhalb des Marktes und außerhalb der Kenntnis der Marktteilnehmer ist, spielt keine Rolle. Erzlager auf dem Mond sind ebenso wenig marktrelevant wie noch unbekannte Ölvorkommen auf der Erde oder einmalige Gemälde, die gar nicht zum Verkauf stehen.) Die Behebung dieses Mangels ist den Nachfragern etwas wert. Sie sind bereit, für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse etwas zu tun (sonst wären es keine Bedürfnisse), also eine Gegenleistung zu erbringen. Diese Gegenleistung ist der wirtschaftliche Vorteil, der den Anbieter interessiert, genauer: der Mehrwert dieser Gegenleistung gegenüber seinem eigenen Angebot. |
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[121] Es wird hier also nicht – das sei wenigstens am Rande bemerkt – der Markt an sich in Frage gestellt. Dies geschieht gleichwohl in einigen kommentierten Beiträgen, z.B. im Beitrag 18. |
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[122] Ferner wird beim Marktgeschehen von einer Tauschbeziehung Ware gegen Geld ausgegangen, wobei die Ware selbst auch Geld sein kann und Geld hier, d.h. ausschließlich auf dieser einen Seite, auch für einen Anspruch auf Geld stehen kann, also für jeglichen Wert wie z.B. ein Scheck, der auf Betrag plus Währung lautet. |
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[123] Anbieter und Nachfrager begegnen sich also auf der einen Seite mit einem echten Warenangebot und auf der anderen Seite mit einem echten Geldgegengebot. Auch wenn sie dies individuell tun, existieren dennoch bei vielen Marktteilnehmern mehr oder weniger realistisch fundierte Meinungen darüber, wie viele weitere Anbieter und Nachfrager es gibt und wie stark deren Bedürfnisse in Bezug auf die fragliche Ware ist, wie also der kollektive Markt beschaffen ist. Wenn z.B. ein Anbieter einen guten Vorrat an einem Produkt hat und ein Nachfrager sich dafür einigermaßen interessiert, dann wird dieser ohne weitere Marktkenntnis vermutlich davon ausgehen, dass er einen niedrigen Preis erzielen kann, denn er benötigt nicht dringend, wovon der Anbieter reichlich hat. Weiß er dagegen, dass diese Ware bei zahlreichen anderen Nachfragern reißenden Absatz findet, wird er vom Kauf vermutlich Abstand nehmen, weil er dann vielmehr davon ausgehen muss, dass der Preis mitnichten niedrig sein wird, denn der Anbieter orientiert sich natürlich an den höchstbietenden Nachfragern. |
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[124] Ist die Nachfrage groß und das Angebot gering, so steigen die Preise. Unter diesen Umständen kann der Anbieter sich überlegen, ob er das Angebot vergrößert – nicht mit dem Ziel, den Preis zu reduzieren, sondern um den Absatz zu erhöhen. Marktrational wird er das dann tun, wenn er sich davon in Summe, also trotz möglicherweise fallender Preise, einen höheren Gesamtertrag verspricht. Er muss bei seinen Überlegungen jedoch auch berücksichtigen, dass hohe Preise Konkurrenten auf den Plan rufen könnten, die das gleiche Produkt fertigen und anbieten könnten, so dass das Angebot für die Nachfrager vergrößert wird, ohne dass der einzelne Anbieter dadurch höhere Stückzahlen verkaufen kann. |
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[125] Interessant sind nun aus marktwirtschaftlicher Sicht diejenigen Produkte oder Dienstleistungen, für die es nicht möglich oder verboten oder sehr zeitaufwändig oder/und kostspielig ist, zusätzlich zu den bisherigen Anbietern aufzutreten, also als deren neuer Konkurrent. Von solchen Produkten gibt es eine ganze Menge, und zumindest einige davon erfüllen nicht nur irgendein Bedürfnis, sondern vitale, also lebenswichtige Bedürfnisse. |
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[126] Kommt jedoch durch eine solche Konstellation ein wichtiges Regulativ der Marktwirtschaft, genauer: der Preisbildung über den Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage, nicht zur Wirkung, so geht dies fast immer zu Lasten der Nachfrager, und zwar über einen überhöhten Preis. (Für den Mehrpreis findet man häufig den Begriff Monopolrente.) Da ein solcher Preis bei vitalen Bedürfnissen jedoch nicht einfach ein bedrucktes Kärtchen im Schaufenster bleibt, sondern bezahlt wird, weil das Bedürfnis nicht zurückgestellt werden kann, verstärkt sich die Störung der Balance am Markt zugunsten des Anbieters, denn er hat nun nicht mehr nur ein mengenbegrenztes und teures Produkt mit Absatzgarantie, sondern zusätzlich noch Geld, nämlich die Differenz zwischen einem kostengerechten Preis an einem fiktiven liberalisierten Markt und dem tatsächlich erzielten Preis am Monopol-Markt. (Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob es sich tatsächlich um ein Monopol handelt, der Anbieter also der einzige seines Produkts ist; entscheidend ist die marktbeherrschende Stellung infolge einer Mengenbegrenzung des Angebots.) |
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[127] Diese Seiten hier befassen sich mit den wichtigsten Waren, die in der beschriebenen Weise problematisch sind, denn die um sie existierenden Monopole stellen nicht nur prinzipiell eine Ungerechtigkeit dar, sondern schaffen und verstärken Ungerechtigkeiten und dies in einigen Fällen bis zur Instabilität eines Gemeinwesens. Eine Gesellschaft, die dies nicht weiß oder es ignoriert, handelt fahrlässig, und weil nicht eine Gesellschaft handelnde Person ist, sondern »lediglich« die sie konstituierenden Menschen, handeln diese fahrlässig, wenn sie unwissend oder untätig bleiben, zumal, wenn sie sich als Bürger einer Demokratie verstehen, in der jeder etwas zu sagen haben sollte. Jeder, der unter diesen Umständen in Kenntnis der Sachlage und der Möglichkeiten schweigt, erklärt ein Stück weit sein Einverständnis mit den Konsequenzen. |
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[128] Thematischer Schwerpunkt ist das Geld. Das Geld ist eine Ware, die sich wesentlich im Privatbesitz befindet, deren Wert und Menge aber durch staatlich durchgesetzte Gesetze sowie Maßnahmen der Notenbank erhalten werden. Es ist deshalb dazu geeignet, Menschen, die sich dieses Geld leihen wollen, zu erpressen, hier: von ihnen Zinsen zu verlangen. Aber es gibt weitere Waren: Das Eigentum an Grund und Boden, geistiges Eigentum, Nachrichtenkanäle, Infrastruktur, Trinkwasser, einige Energiequellen und anderes. Ihnen allen ist eigen, dass es entweder unmöglich oder verboten oder sehr zeitaufwändig oder/und kostspielig ist, sie angebotsvergrößernd und damit preismindernd anzubieten. Es geht darum, diese Waren zu benennen und natürlich Vorschläge zu diskutieren, wie diesen Waren bzw. ihren Anbietern die Sonderstellung am Markt genommen werden kann, ohne an anderer Stelle größere Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Und nicht zuletzt geht es darum, mit dem Mythos aufzuräumen, dass marktwirtschaftlicher Wettbewerb etwas sei, das alle Menschen, also auch die Anbieter am Markt, toll fänden. Markt braucht Kontrolle, da regelt sich nur wenig »von allein« zum Nutzen der Mehrheit. |
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